Medien für Dummies

Meine FENSTER ZUM SONNTAG – Talk –Sendung

«Sehe ich dich dann im Fernsehen?» Das fragten mich schon zahlreiche Freunde, Bekannte und Verwandte, nachdem ich ihnen erzählt habe, dass ich eine eigene FENSTER ZUM SONNTAG-Sendung produzieren darf. «Nein, das einzige, was ihr von mir sehen werdet ist der Name im Abspann.», war jeweils meine Antwort. Fragende Gesichter waren nicht selten die Reaktion darauf. Deshalb habe ich mich entschieden, diesmal hier keinen Medienbegriff zu erklären, sondern wie die Produktion einer solchen Sendung aussieht und wieso man mich definitiv (glücklicherweise!) nicht im Fernsehen bestaunen kann.

Ein Gast muss her

Als Redaktor/In einer FENSTER ZUM SONNTAG – Talk-Sendung ist man erstmal dafür verantwortlich, einen Gast zu finden, der etwas zu erzählen hat. Dafür las ich mehrere Bücher und hielt meine Augen auch beim Lesen von Magazinen oder im Gespräch mit allen möglichen Personen offen, ob irgendwo ein möglicher Gast auftauchen könnte. In einer Sitzung mit dem ganzen Team stellt jeder seine Personen vor, zusammen macht man eine provisorische Aufteilung, wer welchen Gast für welche Sendung anfragt. Danach geht’s ans Mailen, Telefonieren und teilweise auch Überzeugen (manche haben das Gefühl, sie hätten nichts zu erzählen oder Angst vor den Kameras). Wenn dies geschafft ist, trifft man sich mit dem Gast für ein Vorgespräch. In diesem erzählt der mögliche Gast viel über sein Leben (oder den Themenbereich, zu dem man die Sendung machen möchte). Dabei werden auch viele Bereiche angesprochen, die später in der Sendung keinen Platz finden. Das Ziel dabei ist, herauszufinden, ob der Gast für eine FENSTER ZUM SONNTAG-Sendung geeignet ist, aber der Gast soll auch einen Eindruck von uns erhalten, damit auch er sich entscheiden kann, ob er mitmachen möchte. Wenn dies alles geklärt und von allen Seiten als gut befunden ist, geht’s ans Eingemachte.

Planung des Drehs

Das Drehbuch – Herzstück einer Sendung – wird geschrieben, besprochen, umgeschrieben, besprochen, wieder umgeschrieben und so weiter, bis alle zufrieden sind. Auch sehr wichtig ist der Drehort. Dieser sollte zum Gast oder zum Thema der Sendung passen und besser nicht gleich neben einer Autobahn oder dem Flughafen liegen. Der Drehort wird vom Redaktor zusammen mit dem Regisseur rekognosziert und ausgewählt. Dann müssen noch kürzere und längere Pressetexte zur Sendung geschrieben, ein Flyer dazu erstellt und der Zeitplan für den Drehtag gemacht werden. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass das Team irgendwie zu ihrem Kaffee kommt. Auch das Mittagessen muss natürlich geplant sein. Und so kommen noch viele kleine organisatorische Aufgaben hinzu. Irgendwann sind die aber geschafft und es kommt zum grossen Tag. Drehtag.

Der grosse Tag – Drehtag

Viel Zeit hat der Redaktor oder die Redaktorin nun schon in diese Sendung investiert, nun kommen diverse Leute hinzu, die helfen dies alles umzusetzen. Ich glaube, viele Leute haben ein Team von 3,4 Personen im Kopf, wenn sie sich einen solchen Dreh vorstellen. Nun… in Wirklichkeit sieht es etwas anders aus: An meinem Dreh waren sage und schreibe 11 Personen anwesend.

  • Gast: Erzählt von seinem Leben oder über ein bestimmtes Thema.
  • Moderator: Führt den Gast durch die Sendung und vertritt mit seinen Fragen den Zuschauer vor dem Fernseher.
  • Regisseur: Ist für das Bild verantwortlich. Er bestimmt, wo und wie aufgenommen wird.
  • 2 Kameramänner: Liefern die Bilder, die der Regisseur gerne hätte (+ in unserem Fall auch den Ton).
  • Maske: Lässt den Gast und den Moderator gut aussehen.
  • Redaktor: Ist für den Inhalt verantwortlich. Er hört während des Drehs aufmerksam zu, schreibt mit und bestimmt danach was nochmals gemacht werden muss (zum Beispiel, wenn etwas unklar ist oder fehlt). Ist Chef des ganzen Drehs.
  • Assistenz: Unterstützt den Redaktor (auch bei der inhaltlichen Beurteilung der Sendung), schaut für das leibliche Wohl aller Beteiligten und hilft mit, wo nötig.

An meinem Dreh waren noch drei Personen anwesend, die nicht bei jedem Dreh dabei sind:

  • Chef der FENSTER ZUM SONNTAG-Talk-Sendung: Unterstützte mich bei all meinen Aufgaben.
  • Chef von FENSTER ZUM SONNTAG allgemein: Da er ganz neu Chef ist, schaute er einfach zu, wie bei uns der Dreh so abläuft (falls ihr jetzt den Unterschied zwischen den beiden Chefs nicht versteht: Keine Bange, das tun selbst in meinem Unternehmen nicht alle. Wen es interessiert, kann mir persönlich schreiben. Ich erkläre es gerne).
  • Gast vom Gast: Der Gast brachte noch jemanden mit, der einfach zuschaute, Fernseh-Luft schnupperte, aber auch tatkräftig mit anpackte.

Schnippschnapp: Die Nachbearbeitung

Nun ist der alles entscheidende Drehtag zwar vorbei, die Arbeit für den Redaktor aber noch lange nicht fertig. Als nächsten Schritt werden alle aufgenommenen Gespräche transkribiert. Das heisst, man schreibt alles auf, was der Gast und der Moderator sagen. Jedes einzelne Wort. Dies braucht einige Stunden und gibt garantiert viereckige Augen. Es ist jedoch wichtig, um den Schnittplan erstellen zu können. Denn wenn man das Gesagte schwarz auf weiss vor sich sieht, kann man viel besser bestimmen, wo geschnitten werden soll. Dies ist dann auch die nächste Aufgabe. Die einzelnen Teile so zu kürzen und zusammenzusetzen, dass schlussendlich nur noch 28 Minuten und 30 Sekunden übrig sind aber trotzdem alles verständlich bleibt.

Wenn dies geschafft ist, kommt der Cutter vorbei und schneidet es nach dem Schnittplan des Redaktors. Dabei ist man auch immer wieder im Gespräch miteinander, schaut es sich immer wieder an und ändert noch kleine Dinge. Zum Schluss kommen wieder die beiden Chefs ins Spiel. Alle zusammen entscheiden, ob die Sendung so gut ist. Wenn ja, wird sie an eine andere Firma weitergegeben, die noch den Ton und die Farben korrigiert, alles komprimiert und es ans SRF weiterleitet.

Kiste an, jetzt wird ferngesehen.

Und dann, Monate nachdem der Redaktor begonnen hat sich Gedanken zur Sendung zu machen, kann man das fixfertige Produkt im Fernsehen bestaunen. Oder nun bei uns auf dem Medienportal nachschauen. 

In meiner Sendung geht es um René Portmann, der schon als Kind in die Kriminalität abrutschte. Mit 6 Jahren verübte er seinen ersten Einbruch, Ladendiebstahl und Autoschieberei folgten. Heute verhindert er als Streetworker, dass Jugendliche in denselben Strudel geraten, in welchem er selbst einmal war.

Hier noch ein paar wenige Eindrücke vom Drehtag:

  • Mitten im Wald, umgeben von Vogelgetzwischer und rauschenden Blättern, durften wir den ersten Teil des Talks aufnehmen.

  • Drei Monate verbrachte der Gast René Portmann als 12-jähriger Knabe in dieser Hütte. „Die Bäume quitschten in der Nacht“, erzählt er im Talk.

  • Drohnenaufnahmen sind etwas schönes. Darum durften sie auch bei meiner Sendung nicht fehlen.

  • Damit alle bei Kräften bleiben, wird bei jedem Dreh ein vielseitiges Buffet aufgebaut. ;D

  • Vom Wald in die Turnhalle. Der zweite Drehort war völlig anders, aber nicht minder wichtig in der Geschichte von René Portmann.

  • Kurz vor dem Dreh werden nochmals die wichtigsten Dinge besprochen.

  • Ein glücklicher Gast am Ende eines anstrengenden Drehtages.

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