Medien für Dummies

Geladene Frage

Tönt gefährlich – ist es auch. Je nachdem wie und bei welcher Gelegenheit sie eingesetzt wird, kann der Journalist dem Interviewten Aussagen unterjubeln, die er gar nicht machen wollte.

Zum Beispiel so:

Herr Müller, im Moment haben Sie mit einem mühsamen Chef zu kämpfen. Wie können Sie sich trotzdem für die Arbeit motivieren?

Wenn Herr Müller nun auf die Frage antwortet und erläutert, woher er seine Motivation holt, bestätigt er gleichzeitig, dass die vorhergehende Aussage des Journalisten korrekt ist. Aber vielleicht empfindet Herr Müller seinen Chef gar nicht als mühsam. Dann müsste er hier intervenieren und sagen, dass dies so nicht stimmt. Rede- und Interview-erfahrene Leute sind sehr wahrscheinlich solche versteckten Unterstellungen gewohnt und würden in diesem Fall auch eingreifen. Wenn der Interview-Gast jedoch unerfahren und vielleicht sogar noch nervös ist, kann es sehr schnell passieren, dass er sich nur auf die Frage konzentriert und somit Aussagen tätigt, die er gar nicht wollte. In diesem Sinne ist die geladene Frage für den Interviewten tückisch und auch ein wenig gefährlich.

Eine geladene Frage kann jedoch auch ein journalistisches Instrument sein, um die Zuschauer/Hörer/Leser zu informieren und keine Zeit mit Recherchefragen zu vergeuden. Zum Beispiel in unserer TV-Sendung FENSTER ZUM SONNTAG, in der wir nur knapp 30 Minuten Zeit haben für ein tiefes Gespräch, sind geladene Fragen sehr wichtig. Unser Moderator kann damit ganze Lebensabschnitte eines Interview-Gastes zusammenfassen und hat dadurch mehr Zeit, um in die Tiefe zu gehen.

Jürgen Werth, du warst Chef von ERF Medien Deutschland, mit knapp 200 Mitarbeitern. Bist Liedermacher, Autor, Moderator usw. war dieser Job die Erfüllung deiner Träume? (Jürgen Werth – eigentlich Rentner, FENSTER ZUM SONNTAG – Talk)

In diesem Falle ist die geladene Frage sinnvoll, nützlich und überhaupt nicht gefährlich (solange die Information stimmt).

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