Medien für Dummies

Chef/in vom Dienst

Vorbereitung ist alles, dachte ich mir kurz vor Stellenantritt bei ERF Medien und klickte mich auf lifechannel.ch durch mein zukünftiges Team. Mein Blick schweifte über die zahlreichen sympathischen Gesichter, bis es bei Georg Hoffmann hängen blieb. «Redaktor, Chef vom Dienst» steht unter seinem Namen. Und gleich daneben, bei Tabea Kobel, nochmals dasselbe: «Moderatorin, Chefin vom Dienst». Echt jetzt? Soll das ein Witz sein? «Chef vom Dienst» war für mich immer eine etwas sarkastische Bezeichnung einer Person, die wichtig tut, es aber eigentlich nicht ist. Zum Beispiel, wenn jemand bei einem Fest die ganze Zeit geschäftig hin und her rennt, dies aber gar nicht von ihm verlangt würde. Eigentlich, wenn ich mir das jetzt so überlege, kam für mich der «Chef vom Dienst» in etwa dem «Mädchen für alles» gleich. Aber wieso schreibt man so etwas auf eine Website? Hat sich da jemand ein Scherz erlaubt?

Erst als ich schon einige Wochen hier bei ERF Medien arbeitete, wurde mir bewusst, dass der oder die «Chef/in vom Dienst» in der Medienbranche eine seriöse Job-Bezeichnung ist. Was dahinter steht, erklären Tabea und Georg gleich selbst.

Georg; Chef vom Dienst der Redaktion:

Was sind deine Aufgaben als Chef vom Dienst?

Einerseits bin ich als Redaktor und Reporter in den Dienst und das Team eingebunden. Arbeite also «normal» mit. Andererseits habe ich koordinierende Funktion und organisiere die Redaktion mit (Themensuche, Anmeldung bei Veranstaltungen, Planung von Reportagen etc.). Oft läuft auch das Themen- und Agenda-Setting (wann laufen welche Beiträge über den Sender) über mich. Aber nicht immer – denn das würde bedingen, dass ich nur «Chef vom Dienst»-Aufgabe hätte. Ich habe aber noch mehr Hüte. Eben der des Redaktors und bei Abwesenheit des Redaktionsleiters auch der des Stellvertretenden Redaktionsleiters. Eigentlich teilen wir die Leitung des Redaktionsteams und «tragen es zu zweit».

Was ist deine grösste Herausforderung an diesem Job?

Herausforderungen sind teils unter Punkt 1 schon erwähnt. Es ist sicher so, dass der CvD im Vergleich zum «gewöhnlichen Redaktor» halt immer etwas als Ansprechpartner für das Team der Festangestellten (und phasenweise auch für freie Mitarbeitende) gilt. Das kann durchaus auch in einem Redaktionsdienst geschehen, wo man eigentlich so absorbiert wäre, dass dies theoretisch gar nicht möglich wäre. Praktisch wird man aber von allen möglichen Seiten beansprucht. Das ging bei mir auch schon ins Privatleben hinein. Und dort ist es für mich auch Herausforderung, dies in einem «gesunden Rahmen» zu behalten (was z.B. Rückfragen, Mails beantworten und Erreichbarkeit anbelangt). Oder die Überzeiten dann halt auch mal zu kompensieren und in dem Sinne nicht verfügbar zu sein. In unserem Reda-Team arbeiten aber mittlerweile sehr selbständige Mitarbeitende, die durchaus auch selber kompetent entscheiden können, was das Tagesprogramm anbelangt (sie sind in gewissen Zeiten auf sich selber gestellt, wie das bei anderen Privatradios auch der Fall ist).

Stellst du dich manchmal als Chef vom Dienst vor – einfach weil es gut tönt? :D

«Chef vom Dienst» ist ein Begriff aus der deutschen Radioszene, den wir in der Schweiz übernommen haben. Tönt eigentlich nicht vielsagend. Ich mache mir den Spass daraus, mich als Redaktor, Reporter und CvD vorzustellen. CvD sagt dann vielen Leuten etwa so viel wie CEO oder CCO oder CFO (all diese neudeutschen Management-Begriffe). Und wenn es jemand dann wirklich interessiert, was sich hinter den Buchstaben CvD verbirgt, dann erkläre ich es gern… :)

Tabea; Chefin vom Dienst der Moderation:

Was sind deine Aufgaben als Chefin vom Dienst?

Die Wochenplanung der Moderation, mit allen Themen die wir zusammengetragen haben koordinieren. Ich schreibe die Ideen der Moderatoren/in auf und trage diese ein und teile sie einem Wochentag zu. Danach schaue ich, dass die Beiträge dann auch da sind bevor sie gespielt werden. Dann bin ich auch Sammelstelle für Beitragsideen und zuständig, dass der Samstagsdienst erinnert wird und das Wochenende reibungslos läuft (weil dann niemand mehr da ist).

Was ist deine grösste Herausforderung an diesem Job?

Es allen recht zu machen ;-) den Moderatoren nicht zu viel und nicht zu wenig aufzuladen. Beiträge richtig setzen.

Stellst du dich manchmal als Chefin vom Dienst vor – einfach weil es gut tönt? :D

Nein. Bis jetzt habe ich dies nicht gemacht.

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